Wanderausstellung „Tatort Stadion 2 – Fußball und Diskriminierung“ „Tatort Stadion 2 – Fußball und Diskriminierung“

Vom 14.04. bis zum 24.04.2015 präsentierte das Fanprojekt Osnabrück in Kooperation mit der Fanabteilung die Wanderausstellung „Tatort Stadion 2“ in den Räumen der VfL- Geschäftsstelle an der „Bremer Brücke“. Als PDF-Download

Mit der vom „Bündnis aktiver Fußballfans“ (BAFF) konzipierten Ausstellung setzte das Fanprojekt im Frühjahr des Jahres einen Schwerpunkt auf das Thema „Diskriminierungen im Fußball“. Gemeinsam mit der Fanabteilung des VfL Osnabrück wurde ein umfangreiches Programm konzipiert, dass Vorträge, Führungen durch die Ausstellung, Workshops für Schulklassen und eine Filmvorführung beinhaltete.

 

Eröffnung und Auftaktveranstaltung mit Ronny Blaschke
Am 15.04. startete die Ausstellung mit der Eröffnung durch den VfL-Präsidenten Dr. Hermann Queckenstedt und Daniel Dincher, Vorsitzender der Fanabteilung. Nach kurzen Worten der Begrüßung folgte ein Vortrag von Ronny Blaschke. Der Journalist aus Berlin beschäftigt sich, unter anderem als Autor mehrerer Bücher, seit langem mit den verschiedenen Erscheinungsformen von Diskriminierungen und rechten Einflüssen im Fußball. Unter dem Titel „Zwischen Abgrund und Aufbruch – Menschenfeindlichkeit im Fußball“ klärte er zunächst über ältere und neue Formen der Ausgrenzung und Abwertung auf. Ob dies nun durch Spruchbänder im Stadion („Den Zigeunern aufs Maul“), Anfeindungen von Spielern (Nazi-Angriff auf den 1.FCK-Spieler Itay Shechter) oder durch

Hetz-Kampagnen wie „HoGeSa“ (Hooligans gegen Salafisten) passiert – nach wie vor finden sich unzählige Beispiele für Menschenfeindlichkeit im Fußball.

Welche Chancen bieten sich aber gegen dieses Phänomen gegenzusteuern?
Auch zu dieser Frage aus dem Publikum fand Blaschke wichtige Beispiele. Den anwesenden Spielern aus dem Profikader des VfL Osnabrück und Präsident Queckenstedt signalisierte Blaschke, dass eine eindeutige Positionierung von Verein und Spielern für Toleranz und Vielfalt, die authentisch gelebt und nach außen getragen werden häufig positiv auf das Umfeld des Vereins ausstrahlt. Den Fans sprach er eine ebenso wichtige Rolle zu. Konstantes Engagement und eindeutiges Entgegentreten, egal ob von Ultras oder Fanclubs, gegen fremdenfeindliche Äußerungen in der Kurve oder im Zug auf der Auswärtsfahrt tragen zu einer positiven und nachhaltigen Entwicklung gerade bei jungen Fans bei. Das Engagement vieler Fangruppen im Bereich der „Anti-Diskriminierungsarbeit, müsse stärker gefördert werden.
Die Fanprojektarbeit leiste gerade im Bereich der U18-Arbeit eine frühestmögliche Präventionsarbeit gegen Diskriminierungen. Mehrtägige Auswärtsfahrten in Kombination mit politischer Bildungsarbeit, gezielte Veranstaltungen zu am Standort relevanten Themen oder auch die Arbeit mit Schulklassen über das „Medium Fußball“. Die sozialpädagogische Arbeit könne über den „Bildungsort Fußballstadion“ frühzeitig menschenfeindlichen Gedanken entgegenwirken und ein Beispiel für Respekt, Vielfalt und Toleranz sein.

„Das sieht verboten aus“ – Workshop mit Schulen
Die Alexanderschule Wallenhorst war an zwei Tagen zu Gast im Stadion des VfL Osnabrück. Jeweils einen Vormittag lang arbeiteten die 7. Klassen mit Anleitung des Fanprojekts unter dem Titel „Das sieht verboten aus“ zu rechten Kleidungsmarken, Musik, Symboliken und Codes.
Kurze Einführungen in die Thematik durch das Fanprojekt, Gruppenarbeit, Aufstellungen zu eigenen Erfahrungen mit Diskriminierungen. Mit verschiedenen Methoden arbeiteten die Schülerinnen und Schüler die Erscheinungsformen von Menschenfeindlichkeit im Fußballkontext heraus.

Am Ende stand die Entwicklung eines Flyers und eines Plakats, die relevante Marken, Bands und Zahlencodes zeigen und erläutern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und spricht für das Engagement der Schüler die mit großem Elan an diesem schwierigen Thema arbeiteten. Das Ergebnis nutzen Fanabteilung und Fanprojekt unter anderem um die Stadionordnung des VfL Osnabrück zu überarbeiten, das fertige Plakat wurde noch am folgenden Spieltag dem Fanbeauftragten des VfL übergeben.
In den Pausen durfte über philosophiert werden, ein Rundgang durch das leer Stadion gemacht und sogar ein kurzer Blick in die VfL-Kabine gewagt werden. Die Schulklassen wurden zum Abschluss noch mit einer Einladung zum Spiel des VfL Osnabrück gegen die Amateure des BVB belohnt.
Lesung mit Dietrich Schulze-Marmeling, Vortrag von Heiko Schulze
Die zweite Ausstellungswoche wurde durch einen doppelten Vortrag eröffnet. Unter dem Motto „Wege zur eigenen Geschichte“ stand die lange Geschichte des VfL Osnabrück im Fokus. Vor allem aber sollte zum ersten Mal im öffentlichen Rahmen auch in die Rolle der Lila-Weißen zur Zeit der NS-Herrschaft thematisiert werden.
Den passenden inhaltlichen Einstieg hierzu bot die kurzweilige Lesung des Journalisten Schulze-Marmeling, der einige Passagen aus seinem Buch „Der FC Bayern und sein Juden“ präsentierte. Neben den interessanten historischen Fakten schilderte er auch von den Schwierigkeiten von Vereinen, die eigene Vergangenheit im Kontext der NS-Zeit aufzuarbeiten. Er vermittelte viele ungewohnte Eindrücke und leitete dabei sehr gut in den zweiten Teil des Abends über.

Diesen gestaltete Heiko Schulze, Mitarbeiter im Fachbereich Kultur der Stadt Osnabrück, VfL-Fan und Buchautor. Er gab den anwesenden Gästen unter dem Titel „Lila-Weiß in brauner Zeit“ detaillierte Einblicke in die Vereinshistorie des VfL Osnabrück. FC Teutonia, FC Rapid und FC Olympia waren dabei sichtlich noch nicht allen Anwesenden ein Begriff.
Nach der kurzen Darstellung der Entwicklung von mehreren Vorgängerverein zum VfL Osnabrück spielte die Zeit zwischen 1933 und 1945 ein zentrale Rolle in den Ausführungen von Schulze. Spielverbote, Enteignungen und „Zwangstransfers“, unterschiedliche Schwierigkeiten trafen den Verein, ganz zu schweigen von zerstörten Spielfeldern. Die Rolle von Personen wie Felix Löwenstein und Dr. Gößmann als Präsident könnten unterschiedlicher nicht sein. Die fragwürdige Rolle des VfL Osnabrück in dieser Zeit bedarf sicher einer ausführlichen Betrachtung auch in der Öffentlichkeit. Mit der Vorstellung seines Buchprojekts „Fußlümmel und Lila-Weiße“, das in Kooperation mit Bernhard Lanfer (Mitarbeiter des VfL-Museums) und mit Hilfe weiterer Autoren entsteht, erfährt die Vereinshistorie des VfL Osnabrück erstmals eine detaillierte Aufarbeitung der NS-Zeit. Die Fertigstellung des Buches und Veröffentlichung ist für Ende 2015 geplant.
Offene Ausstellung und Führungen
Aus Sicht der Organisatoren sollte die Ausstellung allen interessierten Menschen offen stehen. Öffentliche Veranstaltungen werden in der Regel eher von Personen aus dem
Fanumfeld des VfL Osnabrück besucht. Aber gerade um eine breitere Masse zu erreichen, wurden zahlreiche offene Ausstellungstage angeboten. Dies gab den Besucherinnen und Besuchern Gelegenheit die Ausstellungsstücke in Ruhe anzuschauen, ein Ansprechpartner des Fanprojekts war für Rückfragen und weitere Erläuterungen stets vor Ort.

Sehr erfreulich war die große
Nachfrage nach expliziten Führungen für Gruppen durch die Ausstellung. So begrüßten die Veranstalter neben mehreren Schulklassen aus Osnabrück auch eine Delegation der Polizeiinspektion Osnabrück. Aufgrund der mangelnden zeitlichen und personellen Ressourcen konnten leider nicht alle Anfragen berücksichtigt werden, ein Punkt der für die nächste Ausstellung verbessert werden kann.