Stellungnahme zum Abbruch des Pokalspiels gegen Leipzig

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Der Abbruch des Pokalspiels des VfL am 10.08.2015 war für alle beteiligten Fangruppen und Institutionen ein herber Rückschlag beim Start in die Saison 2015/2016. Sportlich für eine VfL-Mannschaft, die an diesem Abend eine hervorragende Leistung auf den Platz gebracht und das gesamte Publikum an der Bremer Brücke „in ihren Bann“ gezogen hat. Wirtschaftlich für den VfL Osnabrück, der sich mit einer doppelten Bestrafung durch den DFB konfrontiert sieht und voraussichtlich hohe finanzielle Einbußen hinnehmen muss – ganz abgesehen von dem drohenden Imageschaden.

Aber auch für die aktiven Fangruppierungen, Ultras, Fanabteilung (FA), Fanclubverband (FCV) und allen anderen Fans im Stadion, die eine beeindruckende wie positive Atmosphäre an der Bremer Brücke erzeugten, wie es sie seit langem nicht mehr gab. Ein Pokalabend, der ganz im Zeichen der Tradition des VfL hätte stehen können.

Nach kurzem und intensivem Austausch mit den o.g. Fangruppen ist dem VfL Osnabrück bereits am 12.08.2015 schriftlich ein gemeinsames Statement, in dem alle Gruppen den Vorfall verurteilten und die Auswirkungen konsterniert bedauerten, zugegangen. Gleichzeitig erfolgte eine Einladung zu einem Dialog über den weiteren Umgang mit den Folgen des „Feuerzeugwurfs“. Dieser fand am vergangenen Mittwochabend statt.

Innerhalb des intensiven, kontrovers geführten mehrstündigen Gesprächs wurde schnell eines deutlich: Egal ob FCV, FA, Ultras oder Vereinsverantwortliche, die Schlussfolgerung aus den Ereignissen ist bei allen gleich. Der Wurf des Feuerzeugs auf Schiedsrichter Petersen war eine Tat mit enormen, negativen Konsequenzen für den Verein in seiner Gesamtheit. Das Werfen von Gegenständen aus Tribünenbereichen ist inakzeptabel, hat zu keiner Zeit eine Rechtfertigung und ist ganz sicher kein Teil von Fankultur. Eine Straftat die von den zuständigen Behörden aufgeklärt werden muss.

Der jeweilige Umgang der verschiedenen Fangruppen hiermit, wie auch der des Vereins, kann aber nur in der Verantwortlichkeit der entsprechenden Gruppe liegen. Ehrliche und authentische Reaktionen müssen hier vor öffentlichkeitswirksamen Äußerungen liegen. Jeder Fantyp hat eigene, angemessene Möglichkeiten auf solche Vorfälle zu antworten. Sei es durch öffentliche Aufrufe, Durchsagen in der Fankurve, Stellungnahmen oder Spruchbänder.

Was nicht passieren darf, hat sich in den Folgetagen des Pokalspiels einmal mehr gezeigt. Es wird viel geredet, diskutiert und geschrieben. Allein übereinander statt miteinander. Die Darstellung in den Medien zeichnete in Teilen ein überzogenes Bild. Absurde, von keiner Gruppe oder Institution erfüllbare Forderungen wurden gestellt. Die Verantwortung für die konkrete Tat eines Einzelnen explizit auf Gruppen abgewälzt. Daher haben sich auch alle genannten Fangruppen deutlich von einer etwaigen direkten Verantwortung an der unmittelbaren Tat distanziert. Dementsprechend ist die in den Medien veröffentlichte Forderung nach „einschneidenden Konsequenzen“ in Bezug auf die Aktivität von Fangruppen in der Ostkurve auch nicht nachvollziehbar und geht an der Sache vorbei.

Nach den Schneeballwürfen im Spiel zwischen dem VfL Osnabrück und dem Karlsruher SC 2014 haben die organisierten Fangruppen (Fanclubverband, Fanabteilung, Ultras) und das Fanprojekt mit der Geschäftsführung bzw. dem Präsidium des Vereins die Vereinbarung getroffen, dass in Konfliktfällen zunächst ein interner Dialog zwischen den genannten Gruppen stattfindet. Im Sinne eines „Miteinander“ statt „Übereinander“ soll so gewährleistet werden, dass in der Öffentlichkeit ein möglichst umfassendes und reales Bild von Ereignissen dargestellt werden kann und notwendige, sinnvolle Maßnahmen gemeinsam entwickelt werden. „Kurzschlussreaktionen“ müssen in derartigen Fällen vermieden werden.

Der offene Dialog zwischen Präsidium, Geschäftsführung, Fangruppen und der sozialpädagogischen, präventiven Arbeit des Fanprojekts war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Reaktionen zum Wochenende werden ein weiteres positives Zeichen sein. Diese Ansätze gilt es nun wieder zu verstetigen, etablierte Gesprächsrunden und Kommunikationsformen aufzunehmen und die Arbeit für und mit der Fanszene Osnabrück wieder zu verbessern.

Fanprojekt Osnabrück

Freitag, 21.08.2015